Seit vielen Jahren nehme ich am Schiefbahner Schützenfest teil. Natürlich in der Uniform eines Jägers. Nur wie passt das zu der Art, wie wir das Schiefbahner Schützenfest feiern? Offiziell beziehen sich die Uniformen auf die Preußenzeit um 1900. Jedem ist der blaue Waffenrock der Kaiserzeit bekannt. Aber ein grüner Jägerrock? Der Jäger oder Förster als Soldat? Was hat ein Jäger mit dem Schützenfest zu tun? Klar ein Jäger schießt auch schon mal auf Schützenscheiben. Viele Jäger nehmen bestimmt an Schützenfesten teil.  Jene, welche bei der Bundeswehr ihre Jugendzeit verbringen durften, kennen auch die Infanterieeinheiten der Jäger. Noch besser sind wahrscheinlich allen die Gebirgsjäger bekannt.

 

Sicherlich waren die Jäger in früheren Zeiten kirchlich organisiert, ganz bestimmt in unserer Region. Lange Zeit war der Niederrhein katholisch geprägt und ist es auch heute noch. Es gehörte einfach zum Leben dazu. Kirche und Staat war nicht voneinander zu trennen. Somit war es auch normal, dass ein Jäger einer Bruderschaft angehörte. Die katholischen Bruderschaften wurden, neben ihrem sozialen und gesellschaftlichen Engagement, z.T. auch zur Landesverteidigung eingesetzt und hatten z.B. auch „Polizeikräfte“ zu stellen. Diese hatten dann die jeweiligen Verwalter der Burgherren bei ihren Aufgaben zu unterstützen, nicht immer freiwillig, das war früher nicht anders als heute.

 

Durch den Bericht von Wolfgang Porten über die Schiefbahner Vorreiter als Kürassier, wurde mein Forscherdrang geweckt. Ich habe mich durchgerungen einmal nachzuschauen. Ich muss sagen die Informationsflut NUR aus dem Internet kann einen schon erschlagen.

 

 

 

Aber nun zum Thema...

 

 

Jägerformationen, oder zur Preußenzeit auch Jägercorps, gab es als Fußtruppe (Infanterie) - aber auch als berittene Jäger.

 

Der Jäger war mit dem Umgang der Waffe geübt, zudem konnte man sein Wissen im Wald und Feld  hervorragend nutzen. In kleinen Truppen zusammengefasst, meist unter Leitung des Oberförsters, wurden sie als Ortskundige, Kuriere aber auch als Scharfschützen eingesetzt.

 

Die Scharfschützen konnten nicht mit Pardon rechnen, falls sie erwischt wurden. Sie agierten aus dem Hinterhalt. Ziel waren in der Regel die Offiziere, damit die Einheiten Führungslos waren. Auf einen Offizier zu Zielen war  jedoch verpönt, so etwas war eigentlich gegen die Regeln der „Kriegskunst“. Also machte man mit diesen Scharfschützen auch kurzen Prozess, falls man diese gefangen nahm.

 

Die kürzeren Büchsen der Jäger konnten nur langsam geladen werden, waren jedoch für einen präzisen Schuss besser geeignet. Im Gegensatz dazu die so genannte Linieninfanterie. Diese konnte schneller Laden aber dafür mit den glattläufigen Gewehren schlechter Treffen. Sie mussten durch die Masse der „in Linie abgefeuerten Gewehrkugeln“ diesen „Mangel“ wettmachen. Keine schöne Vorstellung. Jeder kennt das Bild, wenn die geschlossenen Reihen aufeinander zumarschieren und einfach drauf halten, in der Hoffnung, man wird selber nicht getroffen.

 

Jäger im 18. Jahrhundert
Jäger im 18. Jahrhundert

 

Im Laufe der Zeit wandelten sich die Jägercorps zu wendigen Einheiten, welche außerhalb der normalen Schlachtordnung operieren konnten, bis hin zu den heutigen Jägern, Gebirgs- und Fallschirmjägern der heutigen Armeen.

 

Stehende Jägercorps, also immer zur Verfügung stehende Jäger-Corps, richtete der Alte Fritz (Friedrich II) 1744 ein.

 

Garde-Jäger-Bataillon 1809
Garde-Jäger-Bataillon 1809

In den Befreiungskriegen gegen die napoleonische Herrschaft wurde auch vermehrt auf freiwillige Jäger gesetzt. Da sehr viele Männer vom Kriegsdienst  befreit waren, konnte man eine Armee nur mit Hilfe Freiwilliger aufstellen. Hier war der Jäger natürlich als Erster gefragt, denn er war schon bewaffnet. Da dies jedoch nicht ausreichte,  kamen andere Berufsgruppen hinzu. Diese wurden dann den freiwilligen Corps zugeschlagen. Ein bekanntes freiwilliges Corps ist  z.B. das der Lützower Jäger. Es gibt unzählige weitere Corps, welche oft von bedeutenden Leuten gegründet wurden, um im Kampf die eigene Armee zu unterstützen. 

 

Napoleonische Armee (Garde) - Jäger zu Pferde (4.v.l.)
Napoleonische Armee (Garde) - Jäger zu Pferde (4.v.l.)

Die Jäger sollten nur zur Kriegszeit zum Dienst verpflichtet sein und hier insbesondere als leichte Truppe Verwendung finden. Aus ihnen rekrutierte sich zudem der Offiziers- und Unteroffiziersrang.
Da sich zu dieser Zeit, wie auch zu früheren Zeiten der Soldat oder besser Landwehrmann selber mit Uniform und sonstiger Ausrüstung versorgen musste, wurde die einfachere Form der Uniform,  nämlich ein Gehrock  oder ähnliches gewählt. Die Farben der Uniformen waren neben Grün, auch Schwarz, Braun oder Grau.
Wie jedes Kleidungsstück ist auch die Uniform nicht frei vom modischen Wandel. So wurde die Uniform mit manchen, nicht immer sinnvollen, modischen Verzierungen geschmückt.

 

Es gab nicht nur Jäger bei der preußischen Armee, wie das Bild der napoleonischen Armee zeigt. Wie man sieht ist die Gestaltung der Uniform sehr vielseitig und einem ständigen Wandel unterzogen.

 

 

Die Uniform einer Jäger-Abteilung in Preußen sah z.B. so aus:
Der Rock - als auch die Weste - waren lindgrün, die Hose olivfarben. Bis 1760 trugen sie schwarze Gamaschen, dann Kavalleriestiefel. Der Hut war der Dreispitz der Musketiere.

 

 

Einen schönen Eindruck der Jägeruniform, wie sie in ähnlicher Weise auf dem Schiefbahner Schützenfest (und nicht nur dort) getragen wird, vermittelt das Foto der sogenannten Finnischen Jäger. Die Finnischen Jäger wurden in das Königlich-Preußische Jägerbataillon Nr. 27 integriert. Sie bildeten später den Kern der Armee von Feldmarschall Mannerheim beim Unabhängigkeitskampf gegen die russischen Besatzer in Finnland.

 

Und so sieht unser Schützenzug in der heutigen Zeit, mit der moderneren Art der Jägeruniform aus.

Anmerkung des Verfassers:

Mir ist bewusst, dass der ein oder andere Militärgeschichtsfreund oder Militärhistoriker an diesem Bericht etwas anzumerken hätte. Ich habe mich jedoch redlich bemüht, auf all den Seiten im WWW das Nötige herauszufiltern und hoffe, die Entwicklung der Jägereinheiten und –uniformen im Allgemeinen richtig dargestellt zu haben.

 

Helmut Leenen

im Sommer 2004

 

Als Quellen dienten mir die Seiten:

www.deutschesheer.de
www.grosser-generalstab.de
www.waffensammler-kuratorium.de
www.preussenweb.de
www.geschichte-s-h.de


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...bis zum Schützenfest 2019
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